









TV-Fernsehbericht über ein Botox-Seminar, Süddeutsche Zeitung TV, VOX, Sendung "Mein neues Ich. Luxus für Leib und Seele" vom 22.11.2008
„Wer schön sein will, muss leiden.“ Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Man trainiert eisern irgendwelche Fettpölsterchen weg und Muskeln hin, kämpft gegen Haarausfall bzw. rupft sich überflüssige schmerzvoll weg. Das geht so weit, dass sich manche auch nicht vor Giftspritzen fürchten, um die ewige Jugend zu bewahren. Und weil einem die eigene Schönheit zwar wertvoll ist, sie aber nicht teuer sein darf, sind viele gruselige Resultate zu bestaunen. Aber: Das muss wohl jeder selbst entscheiden. Und wenn schon Gift, dann wenigstens aus professioneller Hand.
Frankfurt. Der Botox-TÜV. In der Innenstadt findet eine zertifizierte Schulung für Ärzte statt, die künftig kosmetische Botoxbehandlungen anbieten möchten. Im Kursprogramm inklusive: Selbstversuch mit dem Nervengift.
Eine Botoxproduktspezialistin: „Sinn und Zweck der Veranstalung ist es, dass jeder unter Aufsicht des Referenten gespritzt hat.“
800 Euro inklusive Botox zahlen die 15 Ärzte für den 2-Tageskurs. Eine Investition für die Zukunft.
Ein teilnehmender Arzt: „Um im Gesundheitswesen noch die große Mark zu verdienen ist sicherlich schwierig. Jeder muss sehen, wie er rumkommt, da ist sicherlich ein Zubrot in diesem Sektor, oder irgendwo anders, sehr wichtig.“
Die deutsche Gesellschaft für ästhetische Butolinum-Toxin-Therapie möchte mit diesen Kursen Qualitätsstandards sichern.
Rund die Hälfte der anwesenden Ärzte will sich das Nervengift spritzen lassen. Durch aus Eigennutz.
Ein teilnehmender Arzt: „Ich bin jetzt 42 und habe maßgeblich mit Menschen zu tun, die in meinem Alter sind. Da sind die Falten irgendwann da.“
Die Prognosen sind gut. Die Pharmakonzerne verzeichnen steigenden Umsatz mit Botox und erwarten weitere Zuwächse. Nach über 3 Stunden Theorie kommt die Praxis.
Botox-Referent Dr. Alamouti: „In dieser Dose sind für 50 Einheiten Butolinumtoxin drin, das hat grob den Wert von 500 Euro.“
Verkaufspreis. Im Einkauf zahlen die Ärzte rund 300 Euro weniger.
Eine teilnehmende Ärztin: „Anfangs habe ich mich von einer Kollegin behandeln lassen, mittlerweile spritze ich mich selbst. Es kostet zwar am Anfang etwas Überwindung, aber es wird ja nicht so tief appliziert. Es gibt ja auch genug Diabetiker, die sich Insulin selbst spritzen. Die machen das ja auch.“
Wichtig beim Botox-Pieks: Die Dosierung. 2 Milliardstel Gramm könnten einen Menschen töten. Eine Botoxinjektion bei der Faltenbehandlung liegt weit unter dieser Grenze. Doch: Wieviel Botox braucht die deutsche Falte?
Dr. Alamouti: „In Amerika dosiert man viel höher, aber in Deutschland ist die Dosis viel zu hoch, denn die Deutschen wollen nicht so beruhigt werden. Deswegen kann man damit 2 Patienten behandeln.“
Die Botoxproduktspezialistin: „Oder Sie behandeln 2 Regionen, dann ist das Fläschchen wahrscheinlich auch leer.“
Oder man teilt sich ein Fläschchen bei einer Botox-Party, die auch hier umstritten sind.
Dr. Alamouti: „Botox-Partys finden wir gar nicht gut, weil eine genaue Anamnese, Vor- und Nachuntersuchung auf einer Botox-Party nicht möglich sind. Die Technik, die der Kollege dort anwendet, mag wohl gut sein, aber da ist keine Kontrolle dabei.“
Ausdruckslose Gesichter, keine Mimik, erstarrte Stirnen und Münder, alles Argumente gegen Botox.
Ein teilnehmender Arzt: „Es muss halt jeder selbst für sich entscheiden und natürlich auch mit dem Arzt oder Therapeuten, was passt noch zu mir oder was passt nicht mehr zu mir.“
Frankfurt am Main beim Botox-Workshop für Ärzte. Gleich spritzen sich die angehenden Botox-Experten selbst. Eine Freiwillige spielt die erste Patientin und bekommt ihre Falten kostenfrei unterspritzt.
Die Apothekenhelferin: „Die Zornes- und die Sorgenfalten brauche ich nicht. Ich habe weder Sorgen, noch bin ich zornig. Die Lachfalten können bleiben.“
Weit über 500 Euro spart die Probandin. Bis heute hatte die 48-Jährige eine einzige Botoxanwendung an der Stirn. Jetzt gibt es ihr erstes Rundum-Paket.
Erst ein Multiple-Choice-Test, dann die Spritze. Nur wer beides besteht, qualifiziert sich für Botox.
Dr. Alamouti: „Es waren sehr ausführliche Vorträge; wenn man sich ein bisschen konzentriert und vorbereitet hat, ist es zu schaffen.“
Und alle schaffen es. Jetzt kann gespritzt werden. Botox oder Kochsalzlösung, diese ziehen hier einige vor. Generell ist Botox umstritten. Auch unter Ärzten. Während für die einen Langzeitstudien fehlen, halten es die anderen für harmlos.
Ein teilnehmender Arzt: „Das ist harmlos im Vergleich zu dem, was ich sonst im Alltag tue als Arzt.“
Schwellungen und Blutergüsse können alle Spritzen verursachen. Bei falscher Anwendung drohen hier aber hängende Augenlider oder Gesichtslähmungen. Das macht auch die Ärzte ein bisschen nervös. Bei der Dosierung kann schnell etwas schief gehen. Italienische Forscher haben bei einem Tierversuch nachgewiesen, dass sich bei Ratten die Substanz von der Injektionsstelle bis ins Gehirn ausbreitet. Trotz solcher Meldungen steigt die Nachfrage nach dem vermeintlichen Wundermittel.
Die Reporterin: „Sind Sie jetzt in der Lage draußen in der Praxis sich zum ersten Mal einen Patienten zu holen und probieren es zum ersten Mal aus?“
Der befragte Arzt: „Mit Sicherheit, wenn Sie sich auf die Glabellafalte beschränken, sehe ich da überhaupt kein Problem damit und keine Risiken. Und wenn Sie andere Bereiche auch behandeln wollen, wie zum Beispiel Stirn oder Augen seitlich, die wir angesprochen haben, dann müssen Sie nur vorsichtig mit der Dosis sein und spritzen lieber ein bisschen weniger und gegebenenfalls nach 2 Wochen, wenn es nicht ausreicht, ein bisschen nachbehandeln.“
800 Euro Kursgebühr und am Ende ein Zertifikat. Für die Ärzte eine rentable Investition.
Botox
Faltenbehandlung mit Botox (Botulinumtoxin A)
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